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Freitag, 14. November 2014

Rock-Tutorial #2 "Volant, olé!"

Da bin ich wieder, die Peggy mit DEM "Rockfaden"...

Beim letzten (und ersten) Rock-Tutorial konntest du dir dein eigenes Rock-Schnittmuster für dehnbare Materialien erstellen. Es handelte sich um einen Hüftrock in gerader Form.

Heute möchte ich dir zeigen, wie du ihn mit einem "Volant" abändern kannst. (Stoffempfehlung: Jersey, dünner Sweat).

Was ist ein "Volant"?: "Der Volant ist ein aus einem Kreisring oder Kreisringsegment zugeschnittenes Stoffteil mit glockigem Fall, das als Besatz z.B. an Ausschnitten, Säumen oder Ärmel angesetzt wird." (Quelle: Guido Hofentizer: Bekleidung Schnittkonstruktion für Damenmode. Band 1 Grundlagen, Verlag Europa-Lehrmittel, 1. Auflage 2009, S. 8)

Je nach gewünschter Weite kann er aus einem, zwei oder vier Vollkreisringen erstellt werden. (Je mehr Kreise, desto üppiger der Volant.)

In meinem Beispiel entscheide ich mich für die erste Variante - also Volant aus einem Kreisring. Los gehts!

Du benötigst dein Schnittmuster "gerader Rock" vom RockTuto #1, sowie Faden, 2 Stifte, großes Blatt Papier und das Maßband + Taschenrechner.



1. Zunächst bringst du das Grundschnittmuster ("gerader Rock") auf die gewünschte Länge, wo der Volant angesetzt werden soll - zeichne es dir ein und schneide es schließlich durch/ ab.
Achte darauf, dass du die Trennlinie im rechten Winkel zur Stoffbruchkante einzeichnest.
In meinem Beispiel ist die obere Rockhälfte ca. 18 cm.




2. Messe die Strecke der Ansatzweite aus - also da, wo du das SM soeben gekürzt hast.



3. Nimm die Strecke (AnW) mal 4 (, denn du hast ja auf dem SM nur ein Viertel der tatsächlichen Weite!). Das Ergebnis entspricht der gesamten Ansatzweite.
In meinem Beispiel ergibt sich deshalb folgende Rechnung:
Ansatzweite 1/4 = 24cm
--> 24cm x 4 = 96cm
Die Gesamtansatzweite (AnW) bei meinem Rock beträgt also 96cm.

4. Da der Volant aus einem Kreisring besteht, folgen nun Berechnungen zu den Kreisringen bzw. den Radien. Keine Sorge - alles halb so wild!

a) Zunächst bestimmst du den Innenkreis-Radius. Dazu nutze folgende Formel:
Ansatzweite : (2xPi) = Radius Ansatzweite innen
--> in meinem Beispiel heißt es somit: 
96cm : (2 x 3,14) = 15,29cm --> 15,3cm Kreis-Innen-Radius

b) Bestimmung der Radius Saumweite --> Formel:
Kreis-Innen-Radius + VolantBreite (VoB) = Radius Saumweite
--> lt. meinem Rockbeispiel ergibt sich folgende Berechnung:
15,3 cm + 23cm = 38,3cm --> Radius Saumweite

5. Nun geht es an die Übertragung der Berechnungen auf´s Schnittmusterpapier. Dabei könntest du dir die Kreise im Ganzen aufzeichnen (und dabei jede Menge Papier verbrauchen) oder aber so wie ich vorgehen:

Lege dir dein Schnittmusterpapier so, dass du bestenfalls eine rechtwinklige Papierecke vor dir liegen hast. (Oder  aber zeichne dir großzügig einen rechten Winkel auf´s Papier.) An diesen Winkelkanten erfolgt nun die Abtragung der Radien.



Dabei kannst du dir zunächst als Hilfestellung die Radien von der Winkelecke aus waagerecht und senkrecht (also an den Winkelschenkeln) markieren.

P.S.: die Radiusstrecke muss natürlich waagerecht
und senkrecht den gleichen Betrag haben!
6. Um nun einen (Viertel-) Kreis zu bekommen, benötigst du die Schnur und die 2 Stifte. Ich mache mir zunächst eine Schlaufe, wo einer der Stifte reinpasst. Diese Schlaufe ist groß genug, so dass sie sich um den Stift problemlos führen lässt. Sie bzw. der Stift wird den Kreismittelpunkt darstellen.

Die Länge des Fadens entspricht die des Innenradiuses (was für ein Wort ;) ) = r AnW. Wenn du es schaffst, für diese Länge auch noch eine Schlaufe zu zaubern, dann BINGO! Ansonsten reicht es, meiner Meinung nach, wenn du mit dem zweiten Stift die Schnurlänge festhältst - eben auf der Länge des Innenradiuses.



7. Dann gehst du mit dem einen Stift (mit Schlaufe!) an den Eckpunkt deines vorgezeichneten SM. Das andere Ende setzt du an die Radiusmarkierung. Halte die Schnur nun straff gespannt und führe den zweiten Stift kreisförmig um den Kreismittelpunkt herum. Bestenfalls triffst du dabei auf deine zweite Radiusmarkierung - ein Viertelkreis sollte nun sichtbar sein.




8. Verfahre auf die gleiche Weise (Pkt. 5 bis 7) mit dem Radius Saumweite!!! Schließlich sollte es so nun auf deinem Schnittmusterpapier aussehen:



Trage außerdem die Stoffbruchkante (SB) ein - egal auf welcher Schenkelseite.
Schneide das Schnittmuster aus.

9. Nun hast du Ober- und Unterteil des Rockes als SM vorliegen. Prima!


Damit sind wir mit der Schnittmustererstellung für einen einfachen Rock mit angesetztem Volant fertig.

Im Zuschnitt "in Echt" - also auf Stoff - sieht es dann letztendlich so aus:


Dabei sind Ober- und Unterteil jeweils im Stoffbruch zugeschnitten und haben eine Nahtzugabe (bei mir sind das ca. 0,7cm). Faltest du ein Teil des Volantes auf, ergibt sich logischer Weise ein Halbkreis. Da wir 2 Teile haben entsteht beim Aneinanderlegen ein Vollkreis - wie eingangs auch gewollt.


In meinem Rockbeispiel habe ich mir ein Vorder- und ein Hinterrockteil angefertigt. Schon beim Zurechtlegen der Stoffteile (oben und unten) sind die Volants/ "weiche Falten" zu erahnen.



Schließlich habe ich zwischen den beiden Stoffteilen eine (elastische/ ungedehnte!) Rüsche eingefasst, die Saumkante mit Rollsaum versehen und "aus die Maus". Fertig!



Mir gefällts... und euch?

Ich hoffe, ihr könnt alle Rechen- und Arbeitsschritte nachvollziehen. Sicherlich gibt es auch noch hilfreiche Anleitungen im Netz...

(Siehe dazu auch die Erstellung eines Tellerrockes - weil im Grunde ist es nichts anderes - OHA!)

Über Kommentare und Ergebnisse eurer "Volant-Versuche" würde ich mich RIESIG freuen.

Ganz liebe "ver-rock-te" Grüße und schönes Wochenende wünscht

Peggy von P.S. handmade

P.S.: Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um euch auf meine fertigen Rock-Schnittmuster (Ebooks) hinzuweisen, sofern ihr entweder keine Lust habt auf eigenhändigs-erstellte Schnittmuster oder aber auch nach "MEHR" verlangt. Schaut doch mal in meinem kleinen DaWandaLädchen vorbei... ich freue mich auf eure Besuche ...

 Ebook "Triola"



Dienstag, 21. Oktober 2014

4U - Rock ... ein Schnittmuster-Tutorial

Hallo alle zusammen!


Ja, ich habe ebenso die Ehre für Stoff & Liebe bloggen zu dürfen. Mensch, hab ich mich gefreut, als ich die Anfrage dazu bekommen habe und gleichfalls kamen Zweifel auf ...

➢ Ich und bei meinem Stoffdealer #1 bloggen...?! 
Ich, wo ich doch selber erst seit knapp 3 Jahren
     nebenberuflich nähe...?! 
Und klar doch - da bin ich!


Mein Name ist Peggy, wohne in Mittelfranken und benähe mich, (ganz wenig) meine eigenen 2 Jungs (8 und 10Jahre - da erklärt sich das "ganz wenig" fasst von selbst) und meinen bescheidenen  Kundenkreis auf DaWanda + sonstige Interessierte. Das alles passiert "nebenbei" und als Ausgleich zu meinem Vollzeitjob.
Am liebsten nähe ich Röcke und tüfftle an neuen (Rock-)Schnittmuster. Ein Grund warum ich hier den sogenannten "Rock-Faden" auf dem Blog übernehme.

Heute starten wir mit einem "RatzFatz"-Rock nach "deinem" eigenen Schnittmuster. Ja, du liest richtig. Es soll ein gerader bzw. leicht ausgestellter Rock mit Bündchen werden für (leicht) dehnbare Stoffe - also für Sweat und Jersey.

Damit du weißt, um was es geht - folgen hier meine zwei Beispiele:


Alles was du für die Schnittmuster-Erstellung brauchst sind:
ein Maßband, einen Stift, ein Lineal + ggf. Dreieck (oder so wie ich: ein "Patchwork-Lineal") und großflächiges Papier, wo du das SM drauf zeichnest.

✎ Zeichne dir zunächst eine Linie, die sich an deiner gewünschten Rocklänge orientiert.
( In dem Rockbeispiel "U2-Streifen"-Rock habe ich eine Linie von ca. 40cm genommen - bei Körpergröße 170cm - so als Orientierung für dich. )
Diese Linie wird den Stoffbruch darstellen. Bestenfalls beschriftest du sie gleich. Ich habe mir zusätzlich den Fadenlauf parallel dazu eingezeichnet.

Nun bestimmst du deinen Hüftumfang (HüU). Auf der Skizze  kannst du erkennen, wo du messen sollst (Pfeil Nr. 1). "Das Maßband wird waagerecht von einer Körperseite her um die stärkste Stelle des Gesäßes gelegt. Man lässt es langsam waagerecht über das Gesäß nach unten rutschen und passt die Weite des Maßbandes an." (Quelle: Guido Hofentizer: Bekleidung Schnittkonstruktion für Damenmode. Band 1 Grundlagen, Verlag Europa-Lehrmittel, 1. Auflage 2009, S. 8)



Das SM wird ein Viertel deines Gesamtrockes sein. Somit werden auch die Maße "geviertelt".
Bsp.: Mein Hüftmaß ist 95cm. 95cm : 4 = 23,75cm. Diesen Betrag trägst du nun als Hüftlinie an die Stoffbruchkante im rechten Winkel ab - möglichst so, dass du nach oben ca. 20cm Platz hast.


✎ Parallel zur Stoffbuchkante zeichnest du nun an der Hüftmaß-Markierung eine weiter Linie rechtwinklig nach unten.


Der im Beispiel gezeigte Rock soll in Höhe der Hüftknochen ein Bündchen bekommen. Dazu bestimme den Umfang an den Hüftknochen (s. auch "Messbild"/ Pfeil Nr. 2). Auch hier gilt wieder: das Maß durch 4 zu teilen.
Bsp: Mein "Hüftknochen-Umfang" beträgt 88,5cm. 88,5cm : 4 = 22,125cm.
Die Strecke zwischen dem Hüftmaß und dem Hüftknochenmaß musst du ebenfalls ermitteln. Ich habe dabei 17cm genommen. (Auf dem "Messbild" oben ist das etwa der Abstand zwischen dem "HüU" und der Oberkante der Unterhose/ des Slips - also gelbe Markierung bzw. Nr. 3.)

Nun trage auf der Stoffbruchlinie, angefangen bei der Hüftlinie, die so eben gemessene Strecke nach oben hin ab - bei mir sind diese 17cm. Im rechten Winkel dazu zeichnest du eine Linie. Diese ist die Rockbund-Linie bzw. die Rock-Oberkante. Sie verläuft folglich parallel zur Hüftlinie.



Wie auch bei der Hüftlinie trägst du nun den Hüftknochenumfang - bzw. den Umfang, wo DU deinen Rockbund haben möchtest - ab. Verbinde diese Linie mit der Hüftlinie - s. Foto.


✎ Jetzt trägst du deine gewünschte Rocklänge ab, die du evtl. vorher durch Messen an dir selber oder an einem "Lieblingsrock deines Fundus´" ermittelst. In meinem Beispiel sind das 40cm von der Oberkante Rock gemessen.

Wird der Rock eher ein "Hüftschmeichler", so dass es nur bis knapp unterm Po reichen soll, so hast du bereits dein Schnittmuster fertig. Wenn du einen etwas längeren Rock bevorzugst, dann empfehle ich ihn nach unten hin leicht auszustellen nur 1-2cm - sonst fällt es nicht schön. Ich habe in meinem Beispiel 2 cm dazugegeben.



Das Ganze kannst du nun noch etwas optimieren in dem du die Linie zw. Oberkante Rock und Hüftlinie etwas "rundest", da auch dein Körper sicherlich nicht "kastig" ist. Hier ist ein bisschen "Freihand"-Zeichnen angesagt.


Bestenfalls beschriftest du das SM noch und Zack, fertig, erledigt. Ich gratuliere zum eigenen Schnittmuster!

Bei der Verwendung dieses SM musst du bedenken, dass noch keine Nahtzugabe enthalten ist. Auch musst du dir vor dem Zuschnitt klarmachen, wie der Rocksaum gestaltet wird und entsprechend an die Nahtzugabe denken ... ob Rollsaum, säumen mit der Coverlock oder "traditionell" (doppelt umgeschlagen und mit Geradstich oder sogar "Blindstich" vernäht).

Ich wünsche viel Spaß beim Nachmachen und freue mich riesig über Rückmeldungen und deine Design-Beispiele!!!

Liebe Grüße und bis bald,

Peggy von P.S.handmade
PS: Mit diesem Schnittmuster stehen dir "Rockwelten" offen - ein paar davon, werde ich euch in den nächsten Rock-Posts zeigen.