Dienstag, 15. August 2017

Das große Webstoff 1x1 - TEIL 1


Hallo ihr Lieben!

Es freut mich total, heute mit Euch eine spannende Themenreihe zu starten!
Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an unsere Themenreihe "Stickst Du sch(ö)on?" oder die Buchwoche im letzen Herbst?
Themenreihe heißt konkret: es wird mehrere thematisch passende Beiträge geben ... etwas gegliedert in verschiedene Rubriken.

So, was könnte das nun also sein? Wer ganz genau den letzten Blogpost gelesen hat, der weiß, welche neue EP am kommenden Freitag auf Euch wartet.

Richtig. Pavo - Webstoff.

Keine Sorge - Ihr müsst keine Panikanfälle bekommen. 
Viele von Euch haben ein wenig - sagen wir mal Angst - Respekt vor Webstoff.
Dabei ist das überhaupt nicht notwendig.
Denn mit diesem ersten Beitrag sollte Euch schonmal ein großer Kloß in Eurem Halse entweichen.

Ich persönlich habe von meiner Großmutter das Nähen zuallererst mit Webstoff gelernt, in den Schulen wurde früher ebenfalls Webstoff für den Handarbeitsunterricht verwendet. Auch in Nähkursen kommt diese Stoffart bei Anfängerkursen zum Einsatz.

Warum ich Euch das alles aufschreibe? Damit ihr seht - dass bei Webstoff weniger "dabei ist" als ihr vielleicht glaubt!

Damit ihr mir das auch glaubt - habe ich nun also für Euch dieses hier vorbereitet:







Das große Webstoff 1x1 soll Euch dieses Material mit all seinen Eigenschaften & Verwendungszwecken etwas näher an Euer Nähherz bringen! 
Ihr werdet sehen, es erweitert nebst Strickstoffen wie Jersey & Sweat wahrlich Euren Nähhorizont! 





Heute also, bei Teil 1 dieses Einmaleinses möcht ich Euch erstmal ein paar Basisinformationen zu Webstoff näher bringen.




Woraus besteht eigentlich Webstoff?

Irrtümlicherweise wird Webstoff auch oft mit "Baumwolle" bezeichnet. "Heute habe ich eine Pumphose aus Baumwolle genäht" ... hab ich schon des Öfteren irgendwo gelesen. Das ist allerdings nur recht wenig präzise formuliert. Denn mit der Aussage man habe eine Pumphose aus Baumwolle genäht, kann genauso gut Jersey, Sweat, Jaquard o.ä. gemeint sein.
"Baumwolle" ist einer Faser, aus der Stoff hergestellt wird. Webstoff bezeichnet die Herstellungsart des Stoffes. So wird aus dieser z.B. Baumwollgarn gewebt. Jersey hingegen gestrickt
Webstoff kann aus vielen unterschiedlichen Materialen bestehen. Aus Naturfasern wie Baumwolle, Leinen, Seide oder Viskose aber natürlich auch aus Kunstfasern wie z.B. Polyester. 


Wie wird Webstoff hergestellt?

Hier ist der Name sozusagen Programm. Ihr kennt sicher noch diese kleinen Handwebrahmen aus dem Handarbeitsunterricht. Durch welchen wir mit kleinen Holzschiffchen dicke Wollfäden gewebt haben um zu Muttertag einen tollen handgewebten Tischläufer an die Mama zu verschenken. Ungefähr genau so - nur in gaaaaaanz groß - müsst ihr Euch die Webstoffproduktion vorstellen.
In einem überdimensionalen Webrahmen befinden sich auch bei der Webstoffproduktion Kettfäden (senkrechte Fäden) und Schussfäden die waagrecht durch die Kettfäden gearbeitet werden und sich so miteinander verbinden damit ein Stoffstück überhaupt entstehen kann.
Die äusseren beiden Kettfäden in einem Webrahmen bleiben immer konstant fest. Das ergibt dann die sog. Webkante, welche meist etwas fester gewebt ist als der restliche Stoff. Ebenso wird die Webkante beim Vernähen nicht mitverwendet sondern abgeschnitten. 
Parallel zu diesen Webkanten befindet sich immer der Fadenlauf.









Wofür verwende ich Webstoff?

Webstoff hat eine unglaubliche Vielzahl an Verwendungszwecken vorzuweisen. 
Er lässt sich so für ziemlich jedes Nähprojekt verwenden. 
Lediglich für körpernahe Kleidung ist er nicht geeignet. 
Du kannst daraus wunderschöne leicht fallende Sommerkleider nähen, ein wärmendes Winterkleid. Gerne auch ein Braut- oder Abendkleid wenn Bedarf besteht. Für Tuniken, Blusen, Hosen, Dirndl, Pumphosen, Schürzen, Halstücher, Jacken, Mäntel, Hüte um nur mal einige Dinge aus dem Bekleidungsbereich zu erwähnen.
Natürlich ist Webstoff noch für zahlreiche andere Projekte zu verwenden. Fürs Taschennähen beispielsweise. Oder für ein Portemonnaie. Ebook-Reader, Smartphone- oder Tablet Hülle, Buch- oder Kalenderhüllen, Stricknadel- oder Stifterollen, Kissen, Körbchen, Dekoartikel. Ebenso für Vorhänge, Tischdecken, Polsterbezüge, Wandbehänge, Bettwäsche, Wickeltischauflagen, und Nestchen.
Ebenso wird Webstoff zum Patchworken verwendet.
Ihr lest ... er ist vielseitig einsetzbar und so individuell wie die verarbeitende Person selbst. 






Welche Eigenschaften weist der Webstoff auf?

Durch die Herstellungsart des Webens ist Webstoff nicht elastisch. Das heißt konkret, dass Du ihn nicht für körpernahe Kleidung wie z.B. Babybodys, Leggings oder enge Tops verwenden kannst.

Die Kanten des Stoffes fransen leicht aus. Deswegen ist es unerlässlich, die Kanten des zugeschnittenen Stoffteiles zu versäubern. Das bedeutet, dass man INNERHALB der Nahtzugabe mit einem ZickzackStich einmal das Schnittteil umnäht. Wer eine Overlockmaschine besitzt, kann natürlich auch diese zum Versäubern verwenden. Hierbei ist zu beachten, dass nur eine 3-Fäden Naht zum Einsatz kommt.  
Vielleicht fragst Du dich nun, ob man sich diesen lästigen Arbeitsschritt nicht sparen kann - schliesslich ist die Nähzeit oftmals viel zu knapp. Hierzu muss ich Dir leider ein ganz klares NEIN geben. Nicht nur, dass sich unschöne kleine Fadenreste überall auf der Kleidung und in der Wohnung verteilen, vielmer ist das Problem, dass sich mit der Zeit so auch Nähte auflösen. Durch das Waschen und Tragen bzw. Nutzen eines fertigen Nähstückes reibt sich der Webstoff und trennt immer weiter und weiter auf. Bis er irgendwann an der Naht angekommen ist. Dann ist es leider schon zu spät und das Teil endet meistens in der Recycling-Kiste oder Müll.
Ob Du mit Deinem Zickzackstich direkt auf dem Stoff nähst oder die Nadel einmal überstechen lässt ist Dir selbst überlassen. Wichtig ist nur, dass dies immer innerhalb der Nahtzugabe geschieht.








Wichtig ist, dass der Stoff immer im Fadenlauf zugeschnitten wird. Das macht ihn robust und wiederstandsfähig. Lediglich in einigen Ausnahmesitutionen kann es sein, dass der Fadenlauf im Schnittmuster schräg eingezeichnet ist. Das findet man vorallem in der Damenkonfektion zum Beispiel bei Ärmeln einer Bluse.  Nehmt Euch doch einfach mal ein kleines Stück Webstoff zur Hand und legt es vor Euch hin. Wenn ihr es waagrecht oder senkrecht zu Dehnen versucht, werdet ihr nicht viel Erfolg haben. Jetzt nehmt die zwei Ecken die diagonal zueinander liegen und zieht daran. Der Stoff ist leicht dehnbar. Daher wird z.B. ein Blusenärmel leicht im schrägen Fadenlauf geschnitten, da das fertige Kleidungsstück so komfortabler zu tragen ist. 




 

Was zählt alles zu Webstoffen?:

Hierzu könnte man eine Liste mit unzähligen Beispielen aufführen. Ich möchte mich allerdings auf die gängigsten Varianten beschränken.
Gerade jetzt für den Sommer sind die Klassiker feine Popeline, Viskoseweb, ganz aktuell sogenantes Musselin oder Double Gauze - hierbei liegen die Anfänge bereits im 17. Jhd. und wurde ursprünglich aus Viskose, Seide oder Wolle hergestellt. Feiner Batist , Satin, Voile, Chambray, Vichy Karo, Chiffon.


Viskoseweb

Popeline

Patchwork Stoff dicht gewebt 

Musselin


Oder aber  für den Winter fest gewebte Popeline, Cord in zahlreichen Varianten, Denim, Loden, Twill oder Samt ..... oder wer es robust braucht .... Canvas wäre hier die Empfehlung schlechthin.


Denim


Fein/Baby Cord mit feinen Rillen



Canvas


Was ist sonst noch wichtig und interessant zu wissen?

Generell sollte der Stoff vor dem Verarbeiten vorgewaschen werden. (Jeder Stoff - auch Jersey etc.) Du kannst deinen Stoff einfach mit in eine farblich passende  und dem Material angemessene Wäsche packen. Das bedeutet, dass du einen dunkelblau gemusterten Stoff nicht mit weißer Feinwäsche waschen solltest und deinen teuren Meter Seidenstoff nicht im 90 Grad Kochprogramm.
Aber das denke ich sollte eh klar sein, oder nicht? :)
Warum das sinnvoll ist? Ganz einfach. Stoffe - gerade die mit hohem Baumwollanteil oder aus reiner Naturfaser laufen bis zu 5% ein. Im schlimmsten Fall macht das bei einem Kleidungsstück eine komplette Konfektionsgröße aus wenn Du nicht vorgewaschenen Stoff für Dein Nähprojekt verwendest. Desweiteren ist es so, dasss es ja auch Näharbeiten gibt, die aus unterschiedlichen Stoffen bzw. Materialen gefertigt sind. Diese können aber völlig unterschiedlich einlaufen. Zum Beispiel der Taschenboden um 5%, die Klappe um 3%, Taschenkörper kaum. Was denkt ihr, wie verzogen das ist, wenn diese auftritt?
Deshalb immer daran denken, Stoff vor dem Verarbeiten ab in die Wäsche!


Zum Vernähen eignet sich am besten eine Universalnadel. Diese gibt es in verschiedenen Stärken. Die gängigen Größen sind  70(fein) bis 110(dick). Entweder sortiert oder als Kombipackung erhältlich. Je feiner ein Material ist, desto feiner sollte natürlich auch die gewählte Nadelstärke sein.
Natürlich gibt es auch zahlreiche "Spezialnadeln" ... wie beispielsweise die Jeansnadel die speziell für das Nähen mit Denim entwickelt wurde. Die Erfahrung zeigt aber, das auch eine etwas stärkere Universalnadel - z.B. Stärke 90 - 110 - bestens zum Jenasnähen geeignet ist.
Die Universalnadel hat eine spitze Spitze. Die sich ganz filigran durch den Stoff sticht. Wenn ihr die Nadel in Eure Fingerspitze pickt, werdet ihr einen deutlichen Unterschied zur Ballpoint-Spitze der Jerseynadel spüren :)

Bildquelle Nähpark




Als Nähgarn bietet sich am besten Universal-Polyester Nähgarn an. Wie zum Beispiel "Gütermann Allesnäher" / "Troja Nähseide" / "Madeira Aerofil" .
Polyester Nähgarn daher, weil es einfach robuster und reißfestern ist als baumwollenes Garn.


Bildquelle: Nähpark




Webstoff ist nicht gleich Webstoff, je nach verwendetem Rohstoff, Garnstärke oder die Art der Bindung (Webung) ergeben sich zahlreiche Varianten dieser Stoffart.


Meist wird Webstoff weiß gewebt und im Anschluss erst mit dem dementsprechenden Muster bedruckt. Daher ergibt sich die linke "unschöne" Stoffseite. Es gibt allerdings Ausnahmen. Beispielsweise bei Vichy Karo, Hahnentritt, oder auch Pepita Muster wird von vornherein mit 2 (oder mehreren) Garnfarben gewebt. Dadurch gibt es bei diesen Stoffen keine linke Stoffseite. (Aus der Perspektive des Webens betrachtet)


Vichy Karo



Und? Seid ihr noch da? Immer noch Zähneklappern?
Ich hoffe, ich konnte Euch mit diesem Beitrag die ersten Berührungsängste zu Webstoffen nehmen.
Seid mutig - Nähen ist soviel mehr als nur Jersey zu verarbeiten. Mit Webstoff kann man unglaublich kreativ arbeiten, da der Verwendungszweck so vielseitig ist. Er lässt sich ebenfalls bestens besticken, beplotten oder darauf applizieren. ... und die geübten Näher können ihn sogar mit Jersey kombinieren.

Jetzt erstmal genug der Worte! Ich hoffe, dieser Beitrag hat Euch gefallen.
Ich freu´mich schon sehr darauf, mit Euch diese spannende Reise ins Reich der Webstoffe zu unternehmen.

Unser wunderschöner Pavo Webstoff - in hervorraender Haptik - erscheint kommenden Freitag den 18.08.17.

Allerliebste Grüße aus dem Nähhimmel






 

Kommentare:

  1. Vielen ♥lichen Dank für diese sehr ausführlichen und tollen Informationen. Ich arbeite sehr gerne mit Webstoffen, nähe natürlich sehr gerne Kissenbezüge damit. Aber ich habe mir auch schon eine leichte, sommerliche Bluse damit genäht. LG Anna-Elke

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    1. Liebe Anna-Elke, vielen Dank für Deinen lieben Kommentar! Für eine weitere sommerliche Bluse ist die Qualität unseres Webstoffes ideal. Ganz leicht fallend und angenehm auf der Haut.
      Ganz liebe Grüße
      Marina

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  2. Guter Blogpost, nur in einem kann ich dir leider nicht zustimmen. Auch aus Webware kann ich körpernahe Kleidung nähen. Ein Extrembeispiel ist zB. die Korsage. Aber auch schöne Etuikleider werden aus Webware genäht. Anfängertauglich sind diese Projekte allerdings nicht. LG Elke

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  3. Hallo,

    hihi, was Wollkisterl sagt wollte ich auch schreiben! Eine Korsage ist eines der körpernahsten Kleidungsstücke und wird aus Webstoff genäht. Man hat dann halt nur viele Einzelteile bzw. Abnäher z.B. bei einer Bluse. :) Ich hab aber trotzdem verstanden, was gemeint war. :)
    Euer Webstoff 1x1 finde ich super und auch, dass ihr jetzt die verwendeten Schnitte zu den Bildern der Probenähern dazu schreibt. Gut beschriebene Ebooks für Webware kenne ich nämlich kaum. Vielleicht fühlen sich durch eure Webstoffkollektion ein paar Schnittdesigner herausgefordert! :) Die Ebooks sind nämlich viel schöner zum Nähen als Schnitte aus Zeitschriften...
    Herzliche Grüße,
    Selphie

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  4. Sehr aufschlussreich eure Informationen.
    Eine Frage habe ich alledings. Warum sollte ich eine 3-Fäden-Naht beim Versäumen mit der Overlook nutzen?
    LG Manuela

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  5. hab heute meine "stripe me"-bestellung bekommen und da waren muster von neuen webwaren drinnen 🙉 das graue mit dem orangen punkt ist ja ein perfektes herbst-design. hoffe, es kommt ganz bald 😁

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